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Unser Stadtteil Wilhelmsburg

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Unser Stadtteil Wilhelmsburg

Wilhelmsburg ist der flächenmäßig größte und brückenreichste Stadtteil Hamburgs. Außerdem gilt er als Europas größte Flussinsel. Anders, als häufig dargestellt, ist Wilhelmsburg bunt und abwechslungsreich. Hier stehen Hochhäuser ebenso wie reetgedeckte Bauernhäuser. Es gibt ein Naturschutzgebiet und historische Sehenswürdigkeiten, Industrieansiedlungen und kulturelle Angebote.


So entstand Wilhelmsburg

Der Name Wilhelmsburg geht zurück auf Georg Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Lüneburg.

Einer zügellosen Vergnügungssucht war er ergeben und überließ die Regierungsgeschäfte lieber seinen Ministern“, so wird über Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg (1624-1705) berichtet. Ein Landesherr, der am liebsten außer Landes war. Als er gedrängt wurde sich zu vermählen, um die Nachfolge auf dem Herzogsthron zu sichern, verlobte er sich mit der Prinzessin Sophie von der Pfalz. Laut alter Erbverträge war diese berechtigt, den Thron von England zu besteigen. Das Treueversprechen von Herzog Georg Wilhelm war allerdings halbherzig, ihn zog es immer wieder nach Italien, wo er an rauschenden Festen teilnahm und schließlich seiner Braut nicht wieder unter die Augen treten mochte. Deshalb schlug er seinem Bruder Ernst August vor, Sophie von der Pfalz zu heiraten und versprach ihm, ledig zu bleiben und dem ältesten Sohn seines Bruders die Thronfolge zu überlassen. Ernst August und Sophie willigten ein.

Georg Wilhelm, nun wieder frei und ungebunden, widmete sich erneut seinen Vergnügungen und amüsierte sich auf den umliegenden Schlössern. Am Hof des Landgrafen von Kassel lernte er Eleonore Desmier d’Olbreuse kennen und verliebte sich zum ersten Mal in seinem Leben. Ohne diese schöne, kluge und sehr gläubige Frau wollte er nun nicht mehr leben. Als sie endlich seinem Werben nachgab, zog er mit ihr auf das Schloss in Celle, das großzügig für sie hergerichtet wurde. Eine Heirat war aber wegen des großen Standesunterschiedes ausgeschlossen, sie war eine Hofdame und konnte ihm nur „zur linken Hand“ angetraut (morganatische Ehe) werden. 1666 wurde die Tochter Sophie Dorothea geboren, die bei der fürstlichen Verwandtschaft als Bastard galt. Deshalb versuchte Georg Wilhelm sie standesgemäß zu heben und kaufte 1672 vom Adelsgeschlecht der Groten die Inseln Stillhorn, Georgswerder, Rotehaus, Bauwiese und die Höveln. Er vereinigte den neu erworbenen Besitz mit seinen im Westen gelegenen Inseln, Reiherstieg und das Vorwerk Schluisgrove, zur „Herrschaft Wilhelmsburg“.

Bestätigt wurde der am 4. September 1672 geschlossene Kaufvertrag durch Kaiser Leopold V. in Wien, der nun auch Eleonore und Sophie Dorothea zu Gräfinnen von Wilhelmsburg erklärte. Dadurch wurde mit Eleonore eine offizielle Trauung möglich und ihre finanzielle Absicherung geschaffen. Seine inzwischen achtjährige Tochter konnte als Gräfin von Wilhelmsburg ebenfalls standesgemäß verheiratet werden.

Herzog Ernst August von Hannover und seine Frau Sophie (von der Pfalz) befürchteten, dass die Gräfin von Wilhelmsburg nach einer eventuellen Heirat das Land Braunschweig-Lüneburg für sich beanspruchen könnte, und ihrem Sohn Georg Ludwig die ehemals versprochene Thronfolge verloren ging. Nach vielen Verhandlungen zwischen den Brüdern wurde beschlossen, ihre Kinder miteinander zu verheiraten. Land und Krone blieben in der Familie. Für Sophie Dorothea begann 1682 ein schicksalhaftes Leben auf dem Schloss in Hannover. Mit 17 Jahren bekam sie einen Sohn, vier Jahre später eine Tochter, die Thronfolge war gesichert, doch die Ehe unglücklich. Georg Ludwig hatte seine Maitressen und Sophie Dorothea litt unter Einsamkeit. Erst durch das leidenschaftliche Liebesverhältnis zum Grafen Philipp Christoph von Königsmarck, der als Oberst im hannoverschen Dienst stand, erlebte sie das Glück ihres Lebens. Vier Jahre dauerte diese sehr heimlich gehaltene Affäre, dokumentiert in den vielen überlieferten, zauberhaften Liebesbriefen.

Während dieser Zeit erhielt das Fürstentum Hannover die neunte Kurwürde, zumindest nach außen musste nun der Ruf gewahrt bleiben, eine geplante Flucht wurde den Liebenden deshalb zum Verhängnis. Graf Königsmarck wurde (vermutlich) erschossen und Sophie Dorothea auf das Schloss Ahlden verbannt, wo sie 32 Jahre ihres Lebens verbringen musste. Sie hat nicht miterlebt, dass ihr Sohn König Georg II. von England wurde und ihre Tochter den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. heiratete und Mutter von Friedrich dem Großen wurde.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Wilhelmsburg ländlich geprägt. Hier ließen sich etliche Milchbauern und Schiffszimmerer nieder. Viele Bewohner bauten Gemüse an und lebten von der Viehzucht. Dies änderte sich Ende des 19. Jahrhunderts mit der aufkommenden Industrialisierung. Einen weiteren Entwicklungsschub brachte der Ausbau des Hafens. Daraufhin siedelten sich Industriebetriebe an, vor allem Fabriken, die Massengüter herstellten zudem die Chemie- und Ölindustrie. In dieser Zeit entstanden eine Wollkämmerei sowie eine Weizenmühle, die bis heute Mehl der Marke „Diamant“ abfüllt.

Während der Industrialisierung stieg der Bedarf an Arbeitskräften rasant an. Die dünn besiedelte Insel wandelte sich nun zum Stadtteil der Arbeiter. Viele von ihnen waren Einwanderer. Die meisten Arbeiter ließen sich nördlich des Vogelhüttendeichs nieder. Bis 1890 wuchs die Zahl der Einwohner auf 8800 an. 1907 hatte Wilhelmsburg 22000 Einwohner, also bereits fast die Hälfte der heutigen Bevölkerungszahl.

1927 erfolgte der Zusammenschluss Wilhelmsburgs mit dem etwa 110.000 Einwohner zählenden Stadtteil Harburg, der, als Stattteil mit über 100.000 Einwohnern, damit bereits als Großstadt galt. 1937/38 wurde die Insel durch das Groß–Hamburg–Gesetz gemeinsam mit anderen Gemeinden Preußens nach Hamburg eingemeindet. Im Zuge dieser Reform kamen Moorwerder, das westlich der Norderelbe an der Südostspitze Wilhelmsburgs liegt und seit 1935 zu Hamburg gehört, dazu. Im zweiten Weltkrieg war Wilhelmsburg wegen seiner großen Industrie mehrfach Ziel von Bombenangriffen. Die alliierten Luftangriffe während des Zweiten Weltkrieges, insbesondere die „Operation Gomorrha“ im Juli 1943, die den verheerenden Hamburger Feuersturm entfachten, brachten Tod und Zerstörung über den Stadtteil. Knapp zwanzig Jahre später, in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962, kam es zu einer Flut-katastrophe, die vor allem die Elbinsel Wilhelmsburg traf. Es waren allein auf der Insel mehr 200 Tote zu beklagen.

Wilhelmsburg heute

Fährt die S-Bahn in den Bahnhof Wilhelmsburg ein, so fallen einem als erstes die grauen Fassaden der Hochhäuser von Wilhelmsburg auf. Und genau das verbinden heute noch viele Menschen mit Wilhelmsburg: Hochhaussiedlungen. Dennoch ist mittlerweile bekannt, dass Wilhelmsburg um einiges bunter, abwechslungsreicher und interessanter ist, als eine Durchreise mit der S-Bahn vermuten lässt. Möchte man etwas über die Geschichte des Stadtteils erfahren, so lohnt sich ein Besuch im Stadtteilmuseum in Wilhelmsburg–Kirchdorf. Es bietet umfassende und anschauliche Informationen zur Eindeichungsgeschichte, zur Landwirtschaft und zum Gemüsebau sowie über den Schiffbau am Reihersteig. Auch ein Rundgang durch die Straßen ist lohnenswert: Wunderschöne alte reetgedeckte Bauernhäuser säumen die Straßen. Passiert man die Straßen und orientiert sich Richtung Süden, so gelangt man in das Naturschutzgebiet Heuckenlock. Das Heuckenlock gilt mit seinen rund 700 verschiedenen Pflanzenarten als Hamburgs artenreichstes Schutzgebiet. Noch weiter südlich liegt Moorwerder. Ein grüner Holzleuchtturm dient hier als Aussichtsplattform. Die Aussicht ist traumhaft: An der Stelle, wo sich die die Elbe in Norder- und Süderelbe teilt, gibt es viel zu beobachten. Teils kleine Boote teils gewaltige Lastkähne ziehen an den Schaulustigen vorüber. Diese Aussicht haben auch schon viele unserer Schüler genossen, als sie dem Leuchtturm während ihrer Klassenreise in der Freiluftschule Moorwerder einen Besuch abstatteten.

Wandert man wieder weiter nach Norden so gelangt man zur Windmühle Johanna, der Wilhelmsburger Windmühlenverein von 1992 e.V. restaurierte. Hier wird das einzigartige Wilhelmsburger Mühlenbrot gebacken.

Charakteristisch für Wilhelmsburg ist auch das Gebäude des Ortsamts Wilhelmsburg. Der 1903 errichtete dunkelrote Backsteinbau war früher einmal das Rathaus.

Kaum zu glauben, aber wenn Besucher durch den Westteil der Insel spazieren, so ist manch einer erstaunt: In der Fährstraße erblickt der Besucher mit Stuck verzierte wunderschöne Altbauten. Viele Cafes und Geschäfte unterschiedlichster Nationalitäten befinden sich ebenfalls in dieser Gegend. Der Hamburger Trendforscher Peter Wippermann ist fest davon überzeugt, dass Wilhelmsburg in ein paar Jahren zum Szene-Stadtteil wird.

Neben den zahlreichen Geschäften, haben sich auch etliche Unternehmen in Wilhelmsburg angesiedelt. Rund 800 Betriebe, darunter viele Transport- und Logistikunternehmen, haben auf der Elbinsel ihren Sitz.

Aber auch das kulturelle Leben steht in Wilhelmsburg nicht still: Die Honigfabrik ist das Kulturzentrum Wilhelmsburgs. Seit 1979 wird es eigenverantwortlich betrieben. Ehemals wurde das in der Industriestraße gelegene rote Backsteingebäude u.a. als Margarine- und Schmelzkäsefabrik und zuletzt als Honigabfüllerei genutzt. Heute ist die Honigfabrik ein Kulturzentrum, das allen Altersgruppen etwas zu bieten hat. Studenten besuchen hier Seminare, Autofreunde schrauben an ihren Oldies, Senioren haben Gesprächskreise und Jugendliche treffen sich hier am Nachmittag.

Ebenfalls ein kultureller Treffpunkt ist das Bürgerhaus in Wilhelmsburg. Mit einem eigenen Jugendzentrum bietet es auch zahlreiche Angebote für Jugendliche an. Unter anderem findet hier einmal im Jahr der statt, bei dem alle Wilhelmsburger Kinder und Jugendliche ihre Gesangskünste unter Beweis stellen können. Das Haus der Jugend in Kirchdorf ist nicht nur eine Freizeitstätte für Kinder und Jugendliche. Hier erhalten mitunter auch ganze Familien Zuwendung.

So vielseitig wie die Angebote und Bauwerke in Wilhelmsburg sind, sind auch die Einwohner des Stadtteils. Menschen unterschiedlichster Herkunft leben hier neben- und miteinander. Das ist nicht immer einfach und erfordert natürlich auch ein hohes Maß an Toleranz. Aber es macht das Stadtteilleben auch interessant und vielseitig.

Bei diesem Potential verwundert es nicht, wenn das Hamburger Abendblatt prophezeit: Wilhelmsburg wird ein Szenestadtteil.


Weitere gute Informationen zum Stadtteil finden Sie unter http://de.wikipedia.org/wiki/Hamburg-Wilhelmsburg

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